Der Weg einer Frau in die Führungsposition eines Unternehmens ist sehr steinig. Frauen nehmen sich oft zu sehr zurück, sind weniger geübt in Sachen Selbstvermarktung und werden von den Männern als Chefinnen nur schwer akzeptiert. Zudem weisen Männer ihre Konkurrentinnen systematisch ab. Um als Frau Erfolg zu haben, gilt es mit einem großen Kampfgeist die gläserne Decke zu durchbrechen.
Soziologischer Ansatz
Nur wenige Frauen gelangen in Top-Positionen wie die Studie des Soziologen Carsten Wippermann belegt. Der Hauptgrund liegt in den verschiedenen Mentalitätsmustern der Männer im Management, die eine dreifache Schranke gegen Frauen bilden.
Auf der Einstellungsebene hegen Manager indessen noch große Sympathie für Frauen in Führungspositionen. Aber in den Köpfen der Männer als auch der Frauen ist das alte Gesellschaftsmuster tief verankert, dass die Frau nicht zur Leitung eines Unternehmens geeignet ist.
Die unsichtbare Glasdecke
Frauen müssen gleich drei unterschiedliche männliche Mentalitätsmuster auf ihrem Weg in die obere Etage überwinden. Ist der erste Schritt in Richtung leitender Funktion erreicht, stoßen sie auf die nächsten Hindernisse. Die dominierende Mentalität der Männer wirkt wie ein mehrfach abgeriegeltes System.
Der erste Typ ist sehr konservativ und lehnt Frauen schon allein ihres Geschlechts wegen als Managerinnen ab. Der andere Typus vertritt die Ansicht, dass Frauen gegen die Machtrituale chancenlos sind. Denn eine Führungsposition verlangt Härte und diese ist mit dem Frauenbild in unserer Gesellschaft nicht vereinbar. Frauen verfügen schlichtweg nicht über die nötige Härte. Frauen, die entsprechend auftreten, sind in ihren Augen nicht mehr authentisch. Der dritte ist ein radikaler Individualist. Für diesen Typ Mann spielt das Geschlecht bei der Besetzung von leitenden Positionen so gut wie keine Rolle. Aber es gibt nur wenige Frauen, die authentisch und flexibel genug dafür sind.
Da alle drei Mentalitätsmuster in einem Unternehmen anzutreffen sind, muss man als Frau ein enormes Durchsetzungsvermögen, großen Kampfgeist und immer das Ziel vor Augen haben. Eine die das erreicht hat, ist Rita Forst.
Chefentwicklerin bei Opel
Was den meisten Frauen höchstens ein müdes Lächeln entlockt, lässt Rita Forts Herz höher schlagen. Sie hat ein großes Faible für Motoren. Diese Leidenschaft hat die 54-jährige Maschinenbau-Ingenieurin in die Position der Chefentwicklerin beim Rüsselsheimer Autobauer Opel gebracht.
Die gebürtige Wiesbadenerin erobert somit eine der letzten Männerdomänen in der Autoindustrie. Zuletzt war sie mit der Leitung der Abteilung Fahrzeugsystem und Integration betraut. Nun ist Rita Forst als Entwicklungschefin in der Opel Geschäftsführung neben Ford-Einkaufschefin Birgit Berehndt die einzige Frau im Topmanagement eines europäischen Automobilherstellers.
Erfolgsfaktor: Leidenschaft
Forst, die auf einem Bauernhof im Taunus aufwuchs, hatte schon als Kind nur eines im Kopf: Motoren und Autos. Regelmäßig besuchte sie die Automesse IAA und besuchte Autorennen.
Die Leidenschaft für schnelles Fahren hat sich Frau Forst bewahrt, wie auch anhand ihrer Karriere deutlich wird. Direkt nach ihrem Studium beginnt sie 1977 bei Opel in der Motorenkonstruktion. Ihr Aufstieg ist rasant. Schon Anfang der 90er-Jahre wird sie Chefingenieurin für die neuen Leichtmetall-Motoren und 2008 wird ihr die Leitung des operativen Teils der Fahrzeugentwicklung von GM in Europa übertragen.
Durchsetzungsvermögen
Als Entwicklungschefin nimmt sie beim Opel-Umbau eine Schlüsselrolle ein. Opel muss nach Expertenmeinung zwingend seine Produktpalette erweitern. Kein einfacher Weg für die zweifache Mutter, denn sie muss trotz Sparkurs dem Mutterkonzern GM hohe Investitionen für neue Fahrzeuge entlocken.
Aber sie hat gelernt sich durchzusetzen. Wenn andere bereits am Boden sind, kann sie noch zu einem neuen Schlag ausholen. Nach der Geburt ihres ersten Kindes stieg sie nach sechsmonatiger Babypause wieder in den Job ein. Sie bewies so ihren Kollegen, dass Kind und Karriere durchaus miteinander zu vereinbaren sind. Ihre Kollegen und Verhandlungspartner beschreiben sie als hart und kämpferisch, zielorientiert und kommunikativ.
Sich durchzubeißen das hat auch Maria Anna Muller zum Erfolg verholfen. Sie leitet den Airport Rostock-Laage und ist Deutschlands einzige Flughafen-Chefin.
Motivation und Qualifizierung von Frauen
Frauen in Führungspositionen: wollen – können – dürfen sie? Dies ist ebenfalls das Thema der vierten Synergiewerkstatt des Netzwerks ‘Synergie durch Vielfalt’, die am 11. März .2010 in Düsseldorf stattfindet.
Führungskräfte, Personalmanager und Diversity Manager werden gemeinsam mit dem Gastgeber E.ON AG und renommierten Referentinnen und Referenten von Lufthansa und Synergy Consult diesen Aspekt diskutieren.
Einigkeit besteht bereits jetzt darin, dass ein Unternehmen an mehreren Stellen Veränderungen vornehmen muss. Nur so kann die Repräsentanz von Frauen auf den mittleren und obersten Führungspositionen langfristig erhöht und der absehbare demographischen Wandel aufgefangen werden.
Dabei sind drei Gesichtspunkte zu beachten: die Motivation der Frauen, ihre Qualifikation sowie die Ermöglichung ihres beruflichen Erfolges durch die Unternehmenskultur.
